05.10.2017

15 Jahre Gasmarktliberalisierung

E-Control: 15 Jahre Gasmarktöffnung – mehr Anbieter, mehr Auswahl

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Vor 15 Jahren, am 1. Oktober 2002, wurde der österreichische Gasmarkt liberalisiert. Seither können Gaskunden ihren Anbieter frei wählen. „Der freie Gasmarkt hat den heimischen Gaskunden viele Möglichkeiten eröffnet. Sie können einen beliebigen Anbieter wählen und haben eine größere Auswahl. Und das alles bei einer weiter sicheren Versorgung“, fasst Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der Energieregulierungsbehörde E-Control, die Vorteile der Gasmarktöffnung für Konsumenten zusammen.

Wechselraten von ein Prozent auf fünf Prozent gestiegen

Vergangenes Jahr lag die Wechselrate bei Gas bei fünf Prozent. Bis 2010 haben sich die jährlichen Wechselraten zwischen 0,5 und einem Prozent bewegt. „Erst seit 2011 sind die Wechselraten kontinuierlich angestiegen“, sagt Urbantschitsch. Seit der Liberalisierung haben sich rund 336.000 Haushalte und 32.000 Unternehmen einen neuen Gaslieferanten gesucht, darunter sind auch Kunden, die bereits mehrmals ihren Gaslieferanten gewechselt haben. „Die heimischen Gaskunden wechseln deutlich häufiger ihren Anbieter als früher“, sagt Urbantschitsch. „Den Menschen wird immer mehr bewusst, wie viel Geld ein Wechsel spart und wie einfach dieser erledigt ist.“ 

Mittlerweile viele verschiedene Gaslieferanten

Die 1,3 Millionen Haushalts- und Kleinkunden haben zudem eine weit größere Auswahl als früher. Gab es 2002 nur vier Gaslieferanten, die österreichweit (ausgenommen Tirol und Vorarlberg) angeboten haben, waren es Ende vergangenen Jahres 25 Gasanbieter im Marktgebiet Ost und 20 im Marktgebiet Tirol und Vorarlberg. Mehr als die Hälfte davon sind Alternativlieferanten, das sind Lieferanten, die nicht bereits vor der Liberalisierung in einem bestimmten Gebiet tätig waren. Alleine 2016 sind neun neue Gaslieferanten hinzugekommen. Im Marktgebiet Ost können Haushalte zwischen mehr als 65 Angeboten wählen. In Tirol und Vorarlberg hat sich seit der Öffnung des dortigen Gasmarktes im Oktober 2013 das Angebot kontinuierlich erweitert. Inzwischen bekommen Kleinkunden in Tirol bis zu 60 Angebote von 20 unterschiedlichen Anbietern. Urbantschitsch: „Die Produktvielfalt ist das Resultat intensiver Bemühungen um Kunden in einem kompetitiven Marktumfeld.“

Einsparpotenzial bei Wechsel stark gestiegen

Der Wechsel vom angestammten Versorger zum günstigsten Gaslieferanten spart einem Durchschnittshaushalt je nach Region derzeit zwischen 421 Euro in Tirol und 700 Euro pro Jahr in Klagenfurt inklusive Neukundenrabatt im ersten Jahr. „Das ist das höchste Einsparpotenzial seit Beginn der Liberalisierung“, betont Urbantschitsch. „Insbesondere seit 2013 ist das Einsparpotenzial deutlich gestiegen.“ Alleine in den vergangenen zehn Jahren, von 2007 bis 2016, sparten sich alle Haushalte und Gewerbebetriebe, die sich einen neuen Gaslieferanten suchten, insgesamt rund

90 Millionen Euro. Aktuell geben Haushalte für Erdgas durchschnittlich zwischen 881 Euro pro Jahr in Vorarlberg und 1.210 Euro pro Jahr (inklusive Netzkosten sowie Steuern und Abgaben) im Netzgebiet Klagenfurt aus.

Gasnetzkosten für Haushalte schwächer als die Inflationsrate angestiegen

Trotz hoher Investitionen in die Gasnetze sind die Netzkosten im österreichweiten Schnitt für einen durchschnittlichen Haushaltskunden von 2006 bis 2016 inflationsbereinigt und bereinigt um die jährlichen Schwankungen der Gesamtabgabe an Endverbraucher um rund sieben Prozent gesunken. Gleichzeitig wurden trotz der niedrigeren Netzkosten für Haushalte hohe Investitionen getätigt. So haben die Netzbetreiber beispielsweise in den vergangenen 15 Jahren 500 Millionen Euro in den Ausbau des überregionalen Gasnetzes („Süd- und Westschiene“) und rund

1,9 Milliarden Euro in die laufende Erhaltung und Erweiterung des Gasnetzes zur nationalen Kundenversorgung investiert. „Die österreichische Gasinfrastruktur ist gut aufgestellt und zukunftsfit“, unterstreicht Urbantschitsch. „In der näheren Zukunft ist mit keinen weiteren Großinvestitionen zu rechnen, was sich auf die Netzkosten der Gaskunden positiv auswirkt.“

Österreich als wesentlicher Gashandelsplatz

Vor fünfzehn Jahren, als der Gasmarkt liberalisiert wurde, erfolgte die Beschaffung von Gas nahezu ausschließlich über langfristige Verträge, die strikte Vertragsbestandteile hatten (Mindestabnahmemengen, ausschließlich Ölpreisbindung). Dies hat sich enorm geändert und die flexible Beschaffung an Handelsplätzen (Hubs) hat stark an Bedeutung gewonnen. Österreich hat sich seit der Eröffnung des in Wien ansässigen Central European Gas Hub (CEGH) im Dezember 2005 zu einem der wesentlichen Großhandelsplätze für Gas in Europa entwickelt. Die Zahl der hier tätigen Händler ist von 100 auf knapp 190 gestiegen, das Handelsvolumen über Börsen und Broker hat sich von nahezu Null auf bis zu zehn Terrawattstunden im Monat erhöht (siehe Abbildung 4). Urbantschitsch: „Der Anstieg des Börsenhandels zeigt das hohe Vertrauen, das die Händler in den Gashandelsplatz Österreich haben. Der Börsenhandel leistet einen wichtigen Beitrag zur höheren Transparenz des Gaspreises, da der Handel an der Börse im Gegensatz zu bilateralen Geschäften für alle transparent und einsichtig ist.“ Durch geplante Infrastrukturprojekte, wie etwa eine Gasleitung zwischen Österreich und Tschechien, besteht die Chance, die regionale Bedeutung des österreichischen Gasmarkts weiter zu stärken.

Speicherkapazitäten seit Liberalisierung nahezu verdreifacht

Durch die gestiegene Liquidität an den Handelsplätzen ist die Bedeutung von Gasspeichern zur Bereitstellung von Flexibilität gestiegen. „Österreich weist im europaweiten Vergleich hohe Speicherkapazitäten auf“, erklärt Wolfgang Urbtanschitsch. „Die Speicherkapazitäten haben sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht.“ Die Speicherkapazitäten lagen in Österreich 2016 bezogen auf das Arbeitsgasvolumen bei 92.173 Gigawattstunden. 2002 lagen die Speicherkapazitäten bei 32.202 Gigawattstunden. Auch die Anzahl der Speicherunternehmen hat sich von zwei auf fünf erhöht und neue Speicherkunden sind auf den Markt gekommen.

Gas leistet wichtigen Beitrag zu Stromversorgungssicherheit

Zusätzlich zur Versorgungssicherheit bei Raumwärme und Industrie, leistet Erdgas auch einen wichtigen Beitrag für die Versorgungssicherheit der Elektrizitätsversorgung. „Die flexibel einsetzbaren und präzise steuerbaren Gaskraftwerke sind ein wichtiger Partner der stark schwankenden, erneuerbaren Erzeugung aus Wind, Photovoltaik & Co“, erläutert E-Control Vorstand Andreas Eigenbauer. Gaskraftwerke leisten gerade in Übergangs- und Wintermonaten mit bis zu 30 Prozent einen wesentlichen Beitrag zur gesamten Stromerzeugung in Österreich (siehe Abbildung 7). Gas hat unter den fossilen Erzeugungstechnologien die niedrigsten CO2-Emissionen.

Gasmarkt hat sich weitreichend verändert

„In den letzten 15 Jahren hat sich der Gasmarkt weitreichend verändert – hin zu einem kompetitiven, transparenten und effizienten Marktumfeld, welches für End­verbraucher nicht zuletzt auch eine hohe Versorgungssicherheit bietet“, betont Eigenbauer. „Damit ist das Ziel der Reise aber nicht erreicht, sondern es wird auch weiterhin gemeinsamer Anstrengungen bedürfen, um diese positive Entwicklungen fortzusetzen und den Gassektor bestmöglich für die Herausforderungen der Zukunft zu positionieren.“

Weiterentwicklung des Marktmodells als wichtige Zukunftsaufgabe

Eine zentrale Aufgabe in der Zukunft bleibt die Weiterentwicklung des Marktmodells, um die Marktprozesse und -struktur weiter zu optimieren. Angestrebt wird eine möglichst weitgehende Harmonisierung der Regelungen auf europäischer Ebene. Darin enthalten ist auch die Implementierung der überarbeiteten SoS-Verordnung, eine Verordnung zur Gewährleistung der sicheren Erdgasverordnung. Diese Verordnung sieht unter anderem den zwingenden Abschluss von Solidaritätsabkommen zwischen Nachbarländern für den Fall von Versorgungsproblemen vor. Daneben erfordert die Vervollständigung des europäischen Energiebinnenmarktes massive Anstrengungen. Die aktuell primär national organisierten Gasmärkte sollen hin zu liquiden, integrierten europäischen Marktplätzen entwickelt werden. Die E-Control hat in jüngster Vergangenheit entsprechende Studien durchgeführt und befindet sich gerade in der Entwicklung und Abstimmung zur Umsetzung konkreter Initiativen zur Marktintegration.

„Green Gas“ für CO2-freies Energiesystem der Zukunft

Eine weitere zentrale Aufgabe stellt das Thema „greening the gas“ dar. Um mittelfristig die erforderliche Einsparung an Treibhausgasemissionen zu realisieren, bedarf es einer weitgehenden Transformation der Energieversorgung hin zu einem System, welches langfristig weitgehend ohne fossile Energieträger funktionieren soll. Gerade für die Integration der erneuerbaren Erzeugung aus Wind, Solar, Biomasse, etc. in das Energiesystem, stellt die bestehende und etablierte Gasinfrastruktur einen wesentlichen „Enabler“ dieser Mammutaufgabe dar. Durch regenerative Gase – sowohl Biomethan als auch synthetisches Methan – kann eine klimaneutrale, volkswirtschaftlich sinnvolle Energieversorgung realisiert und sektorgekoppelte Versorgungssicherheit sichergestellt werden. „Ein nicht zu unterschätzendes Asset ist hierbei die bestens ausgebaute Gasinfrastruktur“, erläutert Eigenbauer. Das über 40.000 Kilometer lange Gasnetz in Österreich transportierte im Vorjahr fast 500 Milliarden Kilowattstunden Energie. Verglichen mit 100 Milliarden Kilowattstunden, die das Stromnetz transportiert, hat das Gasnetz ein vielfach höheres Transportpotenzial. Auch in Sachen Speicherbarkeit liegt das Gasnetz deutlich vor dem Stromnetz. Indem Strom durch das Power-to-Gas-Verfahren in Wasserstoff oder synthetisches Methan umgewandelt wird, können große Energiemengen im Gasnetz gespeichert werden. Diese Energiemengen stehen dann zeitunabhängig in den Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie zur Verfügung. „Die bereits bestehende Gasinfrastruktur könnte damit volkswirtschaftlich sinnvoll genutzt werden“, betont Andreas Eigenbauer.

Strommarkt 2001, Gasmarkt 2002 geöffnet

Nach der Liberalisierung des Strommarktes im Oktober 2001 folgte ein Jahr später im Oktober 2002 die Öffnung des Gasmarktes. Beide Marktöffnungen ergaben sich aus Vorgaben der Europäischen Union im Zuge des österreichischen EU-Beitritts 1995. Weitere große Änderungen für den Gasmarkt gab es durch das Gaswirtschaftsgesetz 2011 (GWG 2011), mit dem das dritte EU-Energiebinnenmarktpaket umgesetzt wurde. Durch die weitere Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen, eine Neuordnung der Marktrollen sowie die Optimierung von Marktprozessen wurde eine neue Phase für den österreichischen Gasmarkt eingeleitet. Zur Stärkung der Rechte von Endverbrauchern bestehen seit 2012 aufgrund einer Verordnung der E-Control einheitliche Standards für die kommerzielle und technische Qualität der Netzdienstleistung, wie zum Beispiel klare Fristen für die Bearbeitung von Anträgen auf Netzzutritt. Darüber hinaus wurde bei der E-Control bereits 2002 eine Schlichtungsstelle eingerichtet, die Gas- und Stromkunden bei Schwierigkeiten mit dem Netzbetreiber oder Versorger kostenlos unterstützt.

Vor Liberalisierung gab es Monopolversorger, keine freie Wahl

Vor der Liberalisierung wurden die Strom- und Gaspreise, die Verbraucher an ihren jeweiligen Versorger zahlten, geregelt. Die Strompreise etwa legte der Energieminister auf Vorschlag einer Preiskommission, in der unter anderem die Sozialpartner vertreten waren, fest. Ähnlich war die Preisgestaltung bei Gas. Die Preise wurden hier aber direkt von den Sozialpartnern im Rahmen der Paritätischen Kommission ausgehandelt. Es gab in jedem Netzbereich einen Monopolversorger, der Kunde hatte keine freie Wahl. Auch wenn der Kunde mit dem Service unzufrieden war, konnte er den Anbieter nicht wechseln. Erst seit der Liberalisierung bilden sich die Preise frei nach dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in einem wettbewerblichen Umfeld.

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E-Control
Mag. Bettina Ometzberger
Tel.: +43-1-24 7 24-202
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E-Control: 15 Jahre Gasmarktöffnung – mehr Anbieter, mehr Auswah

Gasmarkt vor 15 Jahren liberalisiert – Für Konsumenten mehr Anbieter und mehr Auswahl – Gasspeicherkapazitäten seit 2002 fast verdreifacht

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